Befreit durch Freude!

von Johannes Pfendt



 

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich intensiv mit der Gnade Gottes. Ständig finde ich neue Aspekte in dieser Angelegenheit und habe oft das Gefühl zum ersten Mal die Augen zu öffnen. Ich lerne immer mehr dazu und mit jeder Erkenntnis wächst meine Faszination über seine Gnade.

Besonders die Freude, die uns Gott schenkt, hat es mir nun angetan. Sie birgt ein Geheimnis, dass mir erst jetzt richtig bewusst wurde. Sie vermag dir und mir in den herausforderndsten Situationen zu helfen. Sie wird uns von Selbstanklage und Frust befreien und die Angriffe unseres Widersachers abwehren.

 

Dieses Thema nahm seinen Anfang, als mir jemand eine Sprachnachricht schickte: »Ich habe ein Wort für dich. Stärke.« Cool, dachte ich mir. Ein wenig kryptisch, aber macht ja nix. :) Denn Stärke brauche ich. In mir finde ich schon lange keine mehr. Nicht nur versage ich persönlich vor Gott, auch vielen Aufgaben fühle ich mich nicht gewachsen. Doch natürlich war dieses eine Wort nicht genug, um mich zu ermutigen. Wie so oft gab mir Gott einige Tage später ein Stück Erkenntnis dazu. Mir kam ein bekannter Bibelvers in den Sinn.

»Die Freude am Herrn ist eure Stärke!« Besonders wenn du diesen Vers schon dutzende Male gehört hast, empfehle ich dir, nun genau hinzuhören. Denn wie so oft, ist dieser Satz in seiner Bedeutung viel tiefer und grundlegender für unseren Glaubensweg, als wir ahnen. Auch Paulus schrieb nicht ohne Grund:

»Freut euch im Herrn allezeit! Und noch einmal will ich sagen: Freut euch!« (Philipper 4,4) Zudem nimmt die Freude innerhalb der neun Geistesgaben nach der Liebe den zweiten Platz ein und hängt mit ihr eng zusammen. Paulus wusste – die Freude am oder im Herrn ist etwas ganz Besonderes, sie gibt uns in allen Situationen ungeahnte, himmlische Kraft. Doch warum ist das so?

Der Vers: »Die Freude am Herrn ist eure Stärke!«, steht in Nehemia 8,10. Viele Juden waren, nachdem die Perser das babylonische Reich eingenommen hatten, aus dem Exil in Mesopotamien zurückgekehrt und hatten unter Nehemia die Mauer der zerstörten Stadt Jerusalem wieder aufgerichtet. Trotz heftiger Drohungen umliegender Feinde hatten sie sich, mit dem Schwert in der einen und dem Hammer in der anderen Hand, davon nicht abbringen lassen. (Nehemia 4,11) Sie hatten Gott vertraut, dass er sie beschützt und genauso war es gekommen.

Nachdem die Stadt endlich geschützt war, versammelte sich das Volk wie »ein Mann«. Esra, der Priester, begann aus dem Gesetz des Mose zu lesen. Als nun das Volk die Worte hörte, begann es zu weinen. Die Wiedererrichtung der Mauer war natürlich auch ein emotionaler Moment. Wenn man so lange arbeitet und vertraut und schließlich der Erfolg da ist, dann wird man von tiefster Dankbarkeit und Freude erfüllt. Doch das hier waren keine Freudentränen … In Nehemia 8,8 steht, dass dem Volk verständlich gemacht wurde, um was es im Gesetz ging. Aus dem Verständnis ihrer Schuld brachen sie in Tränen aus. Gott hatte sich Israel wie eine Braut erwählt und geschmückt, doch sie hatten ihn immer wieder verstoßen.

Als Esra das sah, sprach er: »Geht hin, esst Fettes und trinkt Süßes und sendet Teile denen, für die nichts zubereitet ist; denn der Tag ist unserem Herrn heilig; und betrübt euch nicht, denn die Freude an dem HERRN ist eure Stärke.«

Ich finde das faszinierend. Würde man an dieser Stelle nicht etwas anderes erwarten? Asche auf das Haupt, sich in Sacktuch kleiden und der Schuld bewusst zu werden. Um Vergebung zu bitten? Auch das kommt tatsächlich ein paar Verse später. Doch zuvor kommt dieser wichtige Satz.

»Seid nicht betrübt, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!«

Für mich ist dieser Vers wie ein Statement des Vergangenen, das in eine neue Zukunft hineinführt. Denn die historische Geschichte Israels im AT endet mit dem Nehemiabuch. Danach gilt der Fokus dem Wirken Gottes, durch Jesus. Der nächste große »Schritt« in der Geschichte, ist das Kreuz Jesu, die Gnade unseres Vaters, die greifbare Hilfe und Errettung.

 

Die Wahrheit Gottes ist in diesem Vers verborgen. Das hebräische Wort »ma’oz« für »Stärke« bedeutet eigentlich »Schutzwehr« oder »Bergfeste«. In diesem Wort werden Stärke und Schutz vereint. Wenn nun Esra durch den Geist Gottes von »ma’oz« spricht, spielt er damit auch auf die eben errichtete Mauer an. Gott ist der wahre Schutz. Aber darüber hinaus ist es ein wahrer Augenöffner, wenn er sagt: »Die Freude an Jahwe ist eure ma’oz«. Das bezieht sich sicherlich auch auf die Angst vor den Feinden, die vor dem Mauern lauern. Doch wird dieser Satz praktisch in einem Atemzug mit der Traurigkeit des Volkes genannt, als sie das Gesetz des Mose hörten. Was bedeutet das? Die Menschen wissen, dass sie vor Gott versagt haben, dass nicht nur ihre Väter, sondern auch sie Gott immer wieder verlassen haben. Den Schutz des liebenden Gottes, der sie erwählte. Sicherlich liegen dem ein oder anderen auch die Worte des Propheten Hesekiels in den Ohren, der im Exil erstaunliche Visionen von Gott bekommen hatte. Er vergleicht Israel mit einem ausgesetzten Mädchen, dass niemand haben wollte. Verstoßen, frierend und hungernd liegt es da, wilde Tiere wollen es zerfleischen. Doch Gott nimmt sich dem Mädchen an. Er bekleidet es, zieht es auf und beschützt es. Er schmückt es, so dass es schöner wird als alle anderen Mädchen und nimmt es sogar zur eigenen Frau. Doch nachdem all dies geschehen ist, geht Israel fremd und bietet ihren Körper anderen an. Hesekiel nimmt dabei kein Blatt von den Mund. Die Juden wissen, was sie sich von Gott abgelöst haben, der sie in Liebe gerettet und aufgenommen hatte. Das ist der große Schmerz, dessen sich Viele bewusst sind und bewusst werden. Nun stehen sie in Jerusalem vor einem Neuanfang und man kann förmlich die Fragen einiger Juden hören. »Wenn unsere Väter, die die Wunder Gottes erlebten, es nicht schafften Gottes Gebote zu halten, wie sollen wir es jemals schaffen? Wie sollen wir gerecht sein?«

In diesem sich »bewusst werden der eigenen Grenzen«, darf man sicherlich viele ihrer Tränen verstehen. Denn der Geist ist ja willig, nicht wahr? Wir alle wollen doch das Richtige tun. Und auch wollen wir uns nicht mehr von Umständen und Herausforderungen bestimmen lassen und ganz und gar in der Kraft Gottes wandeln. Wir wollen doch zum Segen sein für alle anderen Menschen, für die sogenannten »Nationen.« Wir wollen doch die Liebe des Vaters weitergeben, Kranke heilen und die Mächte der Finsternis vertreiben. Doch wie sollen wir das tun? Wie kämpfen wir den guten Kampf des Glaubens? Wie werden wir zu unerschütterlichen Felsen, zu Burgfesten, die kein Angriff zerschlagen kann und wie werden wir zu Angreifern, vor denen der Feind fliehen muss?

Es ist so gut zu wissen, dass Gott unser Herz genau kennt. Wie David sagte: »Erforsche mein Herz oh Gott, prüfe mich und erkenne wie ich‘s meine.«

Am Ende der Geschichte Israels weiß Gott ganz genau, wie es in den Herzen der Juden aussieht. Er ist ein Gott voller Gnade. Der Name Jesus bedeutet »Rettung.«. Er ist gekommen um zu retten und nicht, damit wir weiterhin durch Selbstanklage verurteilt werden. Er ist gekommen, damit dass Fleisch, dass schwach ist, nicht mehr von unserem Geist, sondern vom Geist der Wahrheit und der Freude geleitet wird. Denn Gott sagt ja selbst: »Lass dir an meiner Gnade genügen. Denn meine Kraft wird in Schwachheit vollendet.« (2. Korinther 12,9)

Gott weiß um deine Situation. Nun sagt er dir: »Sei nicht betrübt, denn die Freude an mir ist deine Festung.«

 

 

 

Die Freude ist eine Gabe des Geistes. Sie wird uns gegeben, wenn wir den Heiligen Geist im Herzen tragen. Sie ist schon in dir. Nun will sie raus! Sie ist ein übernatürliches Phänomen. Wenn sie in dir ausbricht, dann wirst du täglich mit der Wahrheit Gottes konfrontiert, mit der einzigen Wahrheit, die bestehen bleibt. Denn diese Freude ist aus dem Geist der Wahrheit, aus dem Heiligen Geist. Bricht sie aus, wird sie zu einem Schutzwall, der dich umgibt. Das Wort »ma’oz« meint auch die Stärke eines Dammes, gegen den die zerstörerischen Wellen des Meeres branden. Doch dieser Damm bricht nicht ein. Je mehr diese Freude in dir und mir aktiv wird, umso höher und stärker wird dieser Damm, diese Festung. Umso stärker wirst aber auch du, denn diese Kraft hat durchaus etwas Offensives an sich. Trittst du in einen Raum, in dem Angst herrscht, doch in dir ist die Freude Gottes, dann weicht die Furcht vor dir. Verzweiflung flieht. Vielleicht hast du das schon erlebt. Du wirst zu einer Lichtsäule in der Dunkelheit. Kraft geht von dir aus, die auf andere überspringt.

 

Die Freude am Herrn ist auch Antwort auf dein und mein Versagen vor Gott. Denn wenn diese Begeisterung dich übernimmt, dann werden alle weltlichen falschen Freuden nichtig. Vielleicht hast du schon gemerkt, dass dein Verlangen nach irdischen Vergnügungen praktisch nicht vorhanden ist, wenn du aus einem Gottesdienst kommst, in dem der Heilige Geist wirkte. Das liegt genau daran. Dein Fokus ist nun auf das Unvergängliche gerichtet.

 

Ich sage jetzt nicht, dass du nun verkrampft versuchen sollst, nicht mehr auf das »Vergängliche«, auf alltägliche Vergnügungen zu schauen. Denn das wäre wieder einmal der verkehrte Weg der Gnade. Zuerst kommen NICHT die eigenen Werke, sondern zuerst kommt die Gnade! Ebenso kommt zuerst die Freude und mit ihr der Fokus weg vom Vergänglichen, hin zum Himmlischen. Genau darum geht es in diesem Vers. Wenn der Widersacher dich also heute verurteilen und immer wieder in Dinge hineinbringen will, die deinem Inneren schaden, dann kann ich dir diesen Vers zusprechen.

Die Freude am Herrn ist deine Stärke. Die Freude am Herrn ist dein Schutz.

Trotz deiner Fehler und deiner Umstände darfst du diese Freude voll und ganz in dein Herz lassen. Dieser Teufelskreis aus Anklage und Zielverfehlung muss durchbrochen werden. Am besten geht dass, indem du deinem Papa im Himmel einfach glaubst.

»So gibt es nun keine Verdammnis für jene, die in Christus Jesus sind!« (Römer 8,16)

Das Verständnis seiner Gnade bringt Freude, die bleibt. Deshalb ist reine Freude im Himmel über jeden, der Jesu als seinen Retter annimmt. Lass den Himmel über dich jubeln, indem du annimmst, dass Jesus genau in deiner Schwachheit, in deinem Versagen der Retter ist. Dass er stärker ist als das »Fleisch«. Lass dir an seiner Gnade genügen – denn gerade in dieser Annahme der Gnade über deinem ganzen Leben, deinen ganzen Situationen, wird Gott verherrlicht und seine Kraft offenbar. Denn nun wird er wirken. Die Waffe ist der Geist Gottes und in ihm, die unüberwindbare Freude.

 

Deshalb spreche ich dir heute wie Paulus zu:

»Freue dich im Herrn allezeit! Und noch einmal will ich sagen: Freu dich!« (Philipper 4,4)

Nicht damit du nun aus eigener Kraft versuchst dich zu freuen. Sondern damit die Freude in dir durch den Heiligen Geist geweckt wird. Denn du kannst den Geist Gottes nicht überreden, dir Begeisterung zu geben. Aber du kannst dein Herz für seine immer verfügbare Freude öffnen. Das ist ein großer Unterschied. Das Überreden zeigt sich oft im ständigen Bitten und Flehen nach Gottes Eingreifen. Dass Öffnen aber im Danken der verfügbaren Fülle Gottes. Wer im Herzen spricht: »Danke Jesus, dass du mir nun Freude schenkst. Danke Heiliger Geist, dass deine Freude mich nun erfüllt.«, dessen Herz öffnet sich immer mehr zu Gott hin.

 

In der nächsten Woche werde ich auf genau diese Fülle, die in Jesus für uns verfügbar ist, deutlicher zu sprechen kommen.

 

Anmerkung:

Lass mich dir noch ein kurzes Zeugnis in dieser Sache erzählen. Als mein Vater, der AGAPE-LEBEN gegründet hatte, plötzlich starb, waren wir alle erschüttert. Denn es war völlig unverständlich. Ein Mann Gottes, der sein Leben lang für Gott wirkte und die Liebe Gottes nach außen brachte, ja sogar den Himmel immer wieder erlebt hatte – plötzlich weggerissen aus diesem Leben. Gebete von vielen Menschen hatten scheinbar nichts bewirkt. Wenn ich mich zurück erinnere, war es, als wäre eine Wand zwischen uns und Gott gestellt. Die Gebete schienen einfach nicht hindurchzudringen. Als hätten sich eben mal sämtliche Engel des Bösen ans Werk gemacht, um diesem Prediger ein Ende zu machen und uns die Augen zu blenden. Es war eine sehr irritierende Situation. Ich kenne noch dieses Gefühl, dass sicherlich auch andere schon empfunden haben. Wenn man betet, aber eine seltsame Taubheit erfasst einen, die einem irgendwie nicht an ein Wunder glauben lässt. Und dann kämpft man aus eigener Kraft dagegen an, denkt dies und jenes … Mein Vater starb aber und zuerst war ich am Boden zerstört.

Doch dann, nachdem ich mich einige Male in der Anklage an Gott geworfen hatte, wurde diese Wand der Dunkelheit vor mir plötzlich durchbrochen. Ich durfte das erleben, was dieser Vers oben aussagt. Eine unerklärliche Freude erfüllte mich und die Verzweiflung wich von mir. Die Freude wurde zu meiner Festung, zu meinem Schutzwall.

Die Fragen waren noch immer da. Doch die damit verbundene Verzweiflung prallte nun von den Mauern ab. Ich bemerkte diese Angriffe nicht einmal mehr. An die Stelle der Verzweiflung stellte sich Vertrauen. In diesem Vertrauen aber Freude, die bis jetzt in dieser Sache anhält.

 

Ja, wie geborgen sind wir im Vertrauen zu unserem himmlischen Papa. In ihm finden wir einen Trost, der alles Menschliche übersteigt. Denn sein Trost ist die Freude des Geliebt-Seins. Wir sind nie allein in dieser Welt. Auch wenn Unsicherheiten auftauchen und wir durch das dunkle Tal gehen, sind wir doch geborgen in seiner Herrlichkeit.

 

Die Freude beschützt uns vor der Verzweiflung, davor stehen zu bleiben und zu resignieren; sie schützt uns vor den Angriffen, indem sie unseren Fokus weg von Vergänglichem zieht; sie schützt uns vor der Anklage des Widersacher, sie schlägt sich einen Weg durch die Reihen der Feinde, indem sie ihren Lügen nicht glaubt; sie präsentiert die Herrlichkeit Gottes allen Hilfesuchenden und springt wie ein Feuer über. Die Freude steht der Angst und Unsicherheit entgegen. Dort wo Freude des Geistes Gottes herrscht, ist kein Platz mehr für Angst. Halleluja!


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