Der Gott, der mich sieht



Prolog

 

Wir befinden uns in der Wüste. In der drückenden Hitze betrachten wir einen stattlichen Mann. Er stapft einen mit scharfen Felsen und Kluften geschlagenen Berg hinauf und zieht sich an Felsvorsprüngen empor. Seine Bewegungen sind konzentriert und zielsicher. Große Abhänge tun sich vor ihm auf, doch er fürchtet sich nicht und verfolgt schnurstracks sein Ziel.

Vor ihm huscht ein Schatten über seinen Weg. Glühende, hungernde Augen blitzen einen Moment lang auf. Ein großer, ausgedörrter Berglöwe starrt ihn an. Doch der Mann bleibt nicht stehen. Als er sich der Bestie nähert, weicht diese zur Seite und verschwindet zwischen den Felsen, als hätte sie ihn nicht gesehen. Bald danach bleibt der Mann vor einem Felsen, der den Pfad teilt, stehen. Er bückt sich und wir blicken ihm über die breiten Schultern. Seine Hand betastet den trockenen Boden, streicht über feine Spuren im Dreck. Wir erkennen Fußabdrücke, so zierlich, dass seine große Hand sie bedeckt. Dann richtet er sich wieder auf und folgt weiter seinem Pfad.

Schließlich gelangt er auf die Spitze des Berges und hält inne. Die Luft im Tal vor ihm wabert von der Hitze. Er hält sich die Hand über die Augen und starrt lange in die Ferne. Zum ersten Mal nun blicken wir in sein Gesicht. Es hat markante Züge. Doch das einzige, an das wir uns erinnern werden, sind die klaren Augen. Eine ungeahnte Tiefe liegt in ihnen – ein unzerbrechlicher, unbeirrbarer Wille. Dann bemerken wir ein schwaches Lächeln und unser Blick wandert zurück in die Einöde. In der Ferne erkennen wir einen schimmernden Schatten. Eine Person, die sich bewegt, sich aufbäumt und dann neben einem Felsen zusammensinkt.

Der Mann steigt hinab, zielsicher bahnt er sich einen Weg über Felsen und Abgründe; und wir mit ihm. Ein Brunnen gelangt in unser Sichtfeld. Als sich der Hitzenebel löst, erblicken wir jene Person, die wir mit dem Mann schon von weit oben entdeckt hatten. Es ist eine recht kleine, schmächtige Figur. Der Kopf gesenkt, die Arme trotz der Hitze um den Körper geschlungen.

Sie bemerkt den Mann nicht, der sich ihr naht. Erst als seine Stimme die raue Stille der Wüste durchbricht, blickt sie auf. Es ist eine Frau. In ihren Augen liegt Furcht und Verwirrung. Ihre Arme huschen nach oben über ihre Augen, um im Gegenlicht der Sonne den Fremden zu erkennen und sich notfalls zu schützen. Ihre Handlung entblößt die Form ihres Körpers. Wir erkennen, dass sie schwanger ist.

»Hagar, Magd Sarais.«, spricht der Mann. »Woher kommst du, und wohin gehst du?«

 

 ...

 

Die Geschichte, die wir vor uns haben, ist die von Hagar, der Magd Sarais. Die Frage, die der Mann ihr nun stellt, bildet den Höhepunkt einer nebensächlich erscheinenden Geschichte des Alten Testaments. Sie beinhaltet jedoch eine besondere Message und ist Ausdruck des Wesens Gottes. Denn der Mann, der sich auf die Suche nach der schwangeren Frau gemacht ist, ist Gott selbst. In der Bibel beschreiben ihn die Autoren als Engel, doch im Buch Genesis gehen Engelerscheinungen und Gottesbegegnungen Hand in Hand und wechseln oft direkt in der gleichen Szene. Deshalb ist man sich recht einig, dass diese sogenannten Theophanien die direkte Gegenwart Gottes wiedergeben. Gott selbst nun ist Hagar nachgelaufen, hat sie gesucht und gefunden, um ihr diese Frage zu stellen. Doch warum nahm er diesen Weg auf sich?

Um das zu erklären, will ich kurz die Vorgeschichte erzählen. Die finden wir in der Antwort Hagars in Genesis 16,8.

 

„Ich fliehe weg von meiner Herrin Sarai.“, antwortet sie. Sarai ist die Frau des berühmten Abram. Obwohl Gott versprochen hatte, ihm Kinder zu schenken, war Sarai seit Jahren nicht schwanger geworden. Aus Mesopotamien stammend gab es nun ein Gesetz, dass die Frau eines kinderlosen Ehepaars dazu aufrief, die eigene Magd dem Mann zur Verfügung zu stellen. Würde diese schwanger werden und einen Sohn bekommen, würde dieser vollständig als Kind und Erbe des Mannes, des Sippenoberhauptes, anerkannt werden. Das war in der nahöstlichen Antike ganz normal.

Nun war Hagar tatsächlich durch Abram schwanger geworden. Die Bibel schildert nun, dass die Magd deswegen hochmütig auf ihre Herrin herabblickte. Aber auch der Frust Sarais über Hagars schnellen Erfolg, wo sie jahrelang erfolglos blieb, erklären die folgende Eskalation. Sarai wusste ja nicht, dass sie einige Jahre später doch schwanger werden und ihr Leben zu einem gewaltigen Zeugnis des Wesens Gottes werden würde, dass uns bis heute ermutigt, auf Gottes Zusagen zu vertrauen.

Diese Situation aber war nahe daran zu eskalieren. Abram erlaubte seiner Frau, mit der Magd zu verfahren, wie es ihr gefiel. Sarai behandelte sie sehr hart und daraufhin floh Hagar in die Wüste. Es kann gut sein, dass sie nach Ägypten, was wahrscheinlich ihr Heimatland war (Genesis 12,16), fliehen wollte. Doch da sie anscheinend zuvor vom Pharao dem Abram als Geschenk gegeben wurde, war das ein gefährliches Unterfangen. Sie wird kein klares Ziel vor sich gehabt haben. Auch die fehlende Antwort auf die zweite Frage lässt das vermuten. Wenn man ein wenig in die Welt der Antike schaut, dann wird einem auch die extreme Ausweglosigkeit ihrer Situation bewusst – und auch ihr etwas naives Handeln. Denn selbst wenn sie in der eigenen Sippe hart behandelt wurde – als Flüchtige ist sie nun praktisch vogelfrei. Nicht nur Tiere, Hunger und Durst können der wohl noch sehr jungen Magd das Leben nehmen, auch ist sie vollkommen der Gewalt anderer Menschen ausgesetzt. Denn als entflohene Dienerin hatte sie jeden Schutz der Sippe verlassen. Würde sie missbraucht oder sogar getötet werden, würde es keine Blutrache geben. Sie hat kein Ziel und Niemanden, an den sie sich wenden kann.

Damals war es auch normal, dass Frauen schon ab 14/15 Jahren schwanger wurden. Ich denke, wir dürfen uns in dieser Geschichte solch ein Mädchen vorstellen. In Frust, Schmerz und Angst ist sie vor ihrer Herrin Sarai geflohen, vielleicht ähnlich einem überforderten Teenager, der wegen Streit mit den Eltern ausbricht. Auch dass sie den bekannten Weg zu ihrer Heimat trotz der offensichtlichen Gefahr einschlägt, zu dem einzigen Ort, den sie kennt, deutet darauf hin.

Vielleicht kannst du jetzt ein wenig ihre Situation nachempfinden. Wütend und verzweifelt sitzt dieses Mädchen dort, zum ersten Mal schwanger, ohne Ziel, ohne Nahrung, ohne Schutz. Doch nach was sehnt man sich in solch einer Situation am meisten? Nicht nach Nahrung oder Ziel. Sondern nach Jemanden, mit dem man über diese überfordernde Situation reden kann. Hagar hat, obwohl sie schwanger ist, schließlich auch keinen Mann, der sie beschützen und für das Wohl beider Sorgen würde. Wie betrübt und verzweifelt muss sie sein?

 

Die Bibel nun vollzieht noch vor dieser Szene einen “Kamerawechsel“. Dem geübten Hörer jener Zeit werden die kunstvollen Änderungen aufgefallen sein. Zuerst wird die Geschichte aus Sarais Perspektive erzählt. Dann sehen wir Hagar des Nachts in die Wüste fliehen und zwischen Felsen verschwinden. Doch nun vollführt der Autor eine Glanzleistung. Die Kamera folgt ihr nicht etwa, sondern fährt nun über die Schulter jenes sonderbaren Mannes. Er ist ein Fremder, völlig unvermittelt taucht er auf und gleichzeitig weiß der Hörer, dass nun etwas ganz Wichtiges geschieht. Die Bibel beschreibt das nur in einem Satz. Doch jedes Wort darin ist genau überlegt.

„Und der Engel des HERRN fand sie an einer Wasserquelle in der Wüste.“

Die Bibel ist so herrlich prägnant. Ihre Qualität besteht auch darin, dass sie uns die Deutung nicht vorschreibt, sondern wir sie erst durch den Geist Gottes und intensives Erforschen erkennen. Die Bibelstellen stehen für sich und bleiben von allen Deutungen unberührt.

 

Dieser Vers nun beschreibt höchst aktives Handeln. Der Engel, der Gott widerspiegelt, stolpert nicht aus Versehen über Hagar, er springt auch nicht kurz aus dem Himmel ab und landet direkt vor ihren Füßen. Sondern alles in diesem Satz rückt das Tun in den Vordergrund. Gott fand Hagar. Das heißt, er suchte sie.

Unserem Verständnis nach, erscheint das sinnlos – weiß Gott doch alles. Warum also sollte er suchen? Doch in Genesis wird Gott meist als menschenähnliche Erscheinung beschrieben. Das ist einer der Gründe, warum ich dieses Buch so mag. Zum Beispiel besucht Gott Abram in seinem Zelt oder er ringt die Nacht hindurch mit Jakob. Auch in der Schöpfungsgeschichte sollten wir uns Gott nicht als übergeistliches Wesen vorstellen, dass aus dem Himmel heraus magische Worte auf die Erde schleudert. Schließlich steht dort, dass er den Menschen aus der Erde gleich einem Töpfer formte und anschließend hauchte er ihm seinen Lebensatem in die Nase. Wir dürfen uns das also auch ruhig so vorstellen, wie es da steht. Der Schöpfer selbst kniete dort im Dreck und formte in Arbeit und Leidenschaft, in Vorfreude und Liebe die Gestalt des Menschen. Der Hauch in die Nase ist ebenfalls ein sehr intimer, lieblicher Vorgang. Genesis stellt immer wieder das direkte Handeln Gottes ähnlich menschlicher Art in den Vordergrund. Warum? Nun, weil Gott für uns vor allem eins ist. Nämlich ein Gegenüber. Er suchte Adam und Eva im Garten, nachdem beide von der verbotenen Frucht gegessen hatten, eben weil er ein direkter Gegenüber war und nicht irgendwo fern im Himmel hauste. Er lief zwischen den Bäumen und umher und suchte. Nicht aus Torheit. Sondern weil er sich auf eine Ebene mit denen begibt, die er liebt. Wir wissen genau, dass das wahr ist. Denn das beste Beispiel für dieses Gegenüber-Werden ist natürlich Jesus selbst. Gott wurde in ihm Mensch und wohnte unter uns. Und dadurch sahen wir seine Herrlichkeit.

So dürfen wir diese Geschichte begreifen. Gott begegnet Hagar nicht in einem Donnern vom Himmel herab. Sondern er begegnet ihr als Gegenüber, als Jemand, mit dem sie sich unterhalten und mit dem sie sich identifizieren kann. Denn unser Gott hat kein Interesse an Entfernung zwischen ihm und den Menschen. So geht er auch diesen ganzen Weg, er sucht und findet Hagar, auch wenn er es in seiner Allmacht nicht müsste. Deswegen mag ich diese Geschichten, weil wir in ihnen noch etwas von Gott erleben, dass später nach dem Berg Sinai aus verschiedenen Gründen etwas verblasste, jedoch in Jesus zur vollen und absoluten Erfüllung kam. Was wir hier bei Hagar erleben, ist ein Vorgeschmack auf das, was in Jesus für uns offenbart worden ist. Deswegen sind diese alten Geschichten für uns heute von so tiefer Bedeutung. Das Alte Testament ist nicht veraltet, sondern es offenbart uns vorne und hinten Jesus.

 

Noch etwas ist wichtig zu wissen. In der Antike war der Alltag von dem Glauben an Götter geprägt. Hagar nun war Ägypterin und ich vermute, dass sie in dieser Situation zu diesen Göttern, zu den einzigen die sie kannte, betete – zu diesen fernen Wesen, die man besänftigen musste, die jedoch eigentlich nie antworteten. Die den Reichen segneten und den Armen nicht beachteten. Die den Menschen nicht liebten. So etwas käme einem gar nicht in den Sinn!

Da begegnet ihr der Gott Abrams. Sicherlich erkannte ihn Hagar nicht gleich als übernatürliches Wesen, denn er ähnelte ja einem Menschen. Doch etwas an ihm muss sie dazu angeregt haben, ehrlich auf seine Frage zu antworten. Man muss verstehen, dass sich Gott hier das erste Mal diesem überforderten Mädchen offenbart. Wir dürfen also genau hinhören, wie er ihr gegenübertritt. Würde man nicht nun erwarten, dass er Hagar zurechtweist und ihr befielt, zurückzukehren? Denn selbst ein liebender Vater würde sein Kind, das plötzlich von zu Hause abhaut, zurechtweisen und die Torheit dieser Sache vor Augen halten. Nicht aus Hass, sondern aus Liebe.

Er sagt: „Hagar, Magd Sarais. Woher kommst du und wohin gehst du?“

Das Erste, was Gott spricht, ist ihr Name. Hagar hat ihn ja noch nie gesehen. Sie kennt diesen Mann nicht. Doch dieser nennt sie beim Namen.

Wie Gott später zu Israel sagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ – so spricht er auch Hagar an. Er sagt damit: „Ich kenne dich schon von Geburt an. Ich weiß, wer du bist. Ich kenne deine Geschichte.“ Er hätte sie auch mit: „Magd Sarais“ anreden können, doch das ist einfach nicht seine Art. Denn Gott kennt uns durch und durch. Dieser besondere, heilige Gott ist ganz und gar anders als all die anderen Götter, die fern und aus Holz und Stein geschlagen sind. Er ist ein Gegenüber, ein Gesprächspartner. Er redet uns mit Namen an, weil er uns schon von Geburt an kennt. Nichts was in uns ist, uns widerfahren ist, uns umhergeworfen hat, ist ihm verborgen. Gleichzeitig sagt er mit der Namensnennung, dass nur er Gott ist. Denn nur solcher könnte den wahren Namen des Einzelnen kennen.

Dann spricht er: „Magd Sarais.“, und zeigt damit, dass er auch um ihre Situation weiß. Deshalb ist die folgende Frage auch nicht zur Erkenntnis für ihn selbst gedacht, sondern vielmehr zur Reflexion Hagars. Er fragt, mit Sicherheit liebevoll: „Woher kommst du, und wohin gehst du?“

Vielleicht spürst du schon, wie tief diese Frage eigentlich ist. Sie beinhaltet zwei Ebenen des Verständnisses. Zum einen spricht sie direkt in ihre Situation hinein. Zum anderen ist es eine absolut essenzielle Frage. Ich denke, dass sie, gestellt von dieser bemerkenswerten Person, Hagars Innerstes zutiefst berührte. Die meisten von uns wissen ja, woher wir kommen. Wir haben Eltern, Familie, eine Grundlage. Doch was hat Hagar? Zur Magd erzogen, verkauft und verschenkt. Wo kommt sie denn her? Wer ist sie? Was ist ihre Identität? Wenn sie stolz darüber wirkt, das Kind Abrams in sich zu tragen, wer kann es ihr verübeln? Direkt mit ihrer Herkunft aber hängt ihre Zukunft zusammen. Innerlich fragt sie sich: „Wer bin ich und wohin gehe ich? Was wird eigentlich von mir bleiben, wenn ich sterbe? Wir sich jemand erinnern?“

Diese Frage ist zutiefst emotional und menschennah, denn sie betrifft Jeden. Für mich ist das eine Frage, die Gott der ganzen Menschheit und jedem Einzelnen stellt. Nicht als Vorwurf, sondern aus Liebe, um den Geliebten zur Erkenntnis zu helfen. Denn weder wissen wir Menschen ohne Gott, woher wir wirklich kommen – nur Theorien geben sachliche, doch nicht befriedigende Antworten – noch wissen wir, wohin wir gehen. Ich meine, das Leben beginnt, weil irgendwer Sex hatte und endet, weil der Körper irgendwann zu schwach wird. Es ist kein Zufall, dass Gott genau diese Frage stellt. Er ist so einzigartig, unser Gott. Merkst du, wie genial dieser Satz ist? Gott braucht keine 10 Wörter, um alles Notwendige auszusagen. Mit dem Namen sagt er, dass er uns kennt und unseren Anfang weiß! Im zweiten erklärt er, dass er unsere Situation, unsere Herausforderung genau kennt. Im dritten, weist er uns nicht zurecht oder klagt uns an. Sondern er stellt uns einfach nur diese einfache Frage, damit wir verstehen. Und unsere Antwort ist immer: „Ja, wohin gehen wir eigentlich?“

 

Wir müssen begreifen, dass nicht wir Gott gerufen haben. Sondern er kam aus eigenen Stücken zu uns. Er offenbarte sich Abram, Mose, Elijah und vielen mehr, weil … tja, warum eigentlich? Nur aus Liebe. Aus Liebe folgte er Hagar und stellte sich ihr gegenüber auf eine Ebene … Wir dürfen aufhören darüber nachzugrübeln, warum Gott irgendwelche Tragödien zulässt und vielmehr annehmen, dass er es ist, der aus eigenen Stücken zu uns kam, um uns zu helfen. Gott ist derjenige, der von sich heraus in die Not eingreift. Das ist sein Wesen. Und das darf alle Zweifel über seine Liebe zu uns beseitigen.

Der ganze Umgang mit den Fragen des Leids hängt vom Blickwinkel ab. Entweder schaut man auf das Leid und fragt sich, warum Gott Not zugelassen hat, oder man schaut darauf, dass Gott in das Leid der Menschen eingreift. Er schaut nicht zu. Er griff ein, ertrug selbst enormes Leid und ließ dabei sogar sein Leben. Er ist Eingreifender. Aus eigenen Stücken. Willst du ihm nicht deswegen vertrauen?

Davon handelt übrigens diese Geschichte.

 

Hagar kann auf die erste Frage nur bedingt und auf die zweite gar nicht antworten. Und wieder ist es genial zu erfahren, dass wir es auch gar nicht müssen. Das erwartet Gott gar nicht. Er sehnt sich nur danach, dass wir begreifen, wie sinnlos eigentlich unser Leben ohne ihn ist. Wir lesen nun, dass Gott direkt in Hagars Situation eingreift. Er sagt ihr, dass sie zurückkehren und sich unter die Hand Sarais demütigen soll. Gott weiß genau, was er tut. Er agiert wie ein guter Vater, der das Kind ermutigt, weiter in die Schule zu gehen, obwohl es dort gemobbt wird oder andere Schwierigkeiten hat. Doch genauso wie ein liebender Papa, belässt er es nicht dabei, sondern gibt er ihr eine Vision mit, einen unabänderlichen Zuspruch. Wenn sie diese Herausforderung durchsteht, wird sie Lohn ernten. Er gibt ihr ein ähnliches Versprechen, wie es auch Abraham von Gott erhalten hatte. Nämlich wird sie zahlreiche Nachkommen haben – und das ist mit das Wichtigste in der Antike. Dieser Zuspruch steht im Zusammenhang mit der zweiten Frage Gottes. Denn wenn sie Nachfahren hat, wird sie die Mutter dieser neuen Nation heißen. Sie wird nicht vergessen sein und „Frucht“ bringen. Durch ihren Sohn wird Gott dieses Versprechen einhalten. Diesem soll sie den Namen „Ismael“ gebe.

Nun, auch dieser Name ist mal wieder ein unverkennbares Statement Gottes. Denn Ismael bedeutet laut dem Text: „Gott hört“. Die neue theologische Übersetzung ist sogar noch intensiver. Hört genau hin, wie Gott den Sohn der verlorenen Magd nannte: „Gott WILL hören.“ Er hört nicht nur. Er WILL hören, und zwar alles – wie ein liebender Vater, der nicht uninteressiert bei der Frust und Klage des Kinde über die Schule hinhört, sondern es unbedingt hören WILL. Weil es ihn unglaublich interessiert. Wei er das Kind liebt. Die ägyptischen Götter hören Hagar nicht, die Menschen um sie herum verstehen sie nicht, sie selbst versteht sich vielleicht nicht einmal. Doch dieser Gott, der hört, weil er es will. Er ist nicht taub, wie jene aus Stein. Er hört und sieht alles und er erhört das Rufen seiner Kinder.

 

Als dies alles geschehen ist, entschließt Hagar zurückzukehren. Sie schaut dem in der Ferne verschwindenden fremden, faszinierenden Mann hinterher, der aus irgendeinem Grund ihren Namen kannte. In diesem kurzen Gespräch ohne Anklage, in seiner Frage und seiner Zusage wurde sie von einem seltsamen Frieden erfüllt. An sein Gesicht kann sie sich schon gar nicht mehr erinnern, nur an seine seltsam hellen Augen, in denen solch unverhoffte, unverdiente Annahme lag. Dieser Mann kannte sie durch und durch. Sie weiß, dass dies ein Gott war. Nicht nur ein Gott. Sondern der Gott Abrams, von dem ihr Herr schon oft erzählt hatte. Diese kurze Begegnung nun – nicht mit einer donnernden Stimme aus dem Himmel, sondern mit einer echten Person, mit einem Gegenüber – überzeugte sie davon, dass dieser ein ganz besonderer Gott war.

Ihr Herz fließ von dieser Begegnung über. Kopfschüttelnd fragt sie sich:

„Warum kommt dieser Gott zu mir und redet mit mir, wie mit seinesgleichen? Warum hat er mich hier gesehen?“

Und ihr fällt ein, dass sie den Namen dieses Gottes gar nicht kennt. So gibt sie ihm einen eigenen, persönlichen Namen, an den sie sich selbst immer erinnern wird.

„Du bist der Gott, der mich sieh.“ (Oder: Du bist der Gott des Schauens.)

Und gleich fügt sie an: „Habe ich nicht auch hier geschaut, nachdem er mich geschaut hat?“

Denn indem dieser Gott sie sah, und nicht wegsah, sondern ihr begegnete, erkannte sie auch ihn. Sie erkannte die Ausweglosigkeit ihrer Situation und besonders, dass dieser Gott ein wunderbares Ziel für sie bereit hielt. Sie erkannte, dass dieser Gott sie nicht übersieht, sondern das ihm ihr Schicksal wichtig ist und sie wertvoll ist, in seinen Augen. Sie schaute ihn, nachdem er sie geschaut hat.

 

Durch Jesus schauen wir nun den, der uns zuerst geschaut hat. Wenn wir erfassen, dass er zu uns kommt, um uns zu helfen – aus eigenem Willen, aus sich heraus – dass er uns liebt, einfach weil er es will und diese Liebe zu seinem Wesen machte, dann zweifeln wir nicht mehr, denn wir erkennen den, der uns zuerst aus Liebe gehört, geschaut und erkannt hat.

Gott hat dich nie übersehen. Er kennt dich von Geburt an und weiß um all deine Prägungen. Jesus nun hat genau diese: „Ich WILL hören“ Wesensart Gottes, aufs Äußerste offenbar werden lassen. Er durchbrach alle Grenzen, die die Menschen an der Beziehung zum Schöpfer hinderten. Was wir von dieser Begegnung zu Hagar lesen, begegnet uns nun an jedem Tag in Jesus und dem Heiligen Geist. Denn Jesus ist alle Zeit bei uns.

 

Er WILL dich hören. :D

 

„Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden.“

(Johannes 4,10)

 


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