Der Name Gottes - Eine Offenbarung seines Wesens

von Johannes Pfendt


Über die letzten 3000 Jahre hat sich Gott immer mehr den Menschen offenbart. Seit Beginn an versuchten die Menschen diesem Gott, der sich von allen anderen Göttern drastisch unterschied, einen Namen zu geben. Als Gott, Abraham begegnet, nennt er ihn vorerst einfach »El«. Das bedeutet etwa so viel wie »Gott«. Natürlich weiß er, dass sich dieser Gott drastisch von den anderen unterscheidet. Auf den Punkt bringt es seine ägyptische Zweitfrau Hagar, die als einfache Magd zur Sippe gestoßen war. Als sie mit Ismael schwanger ist, flieht sie aus Furcht vor der eifersüchtigen Sarai in die Wüste. An einer Wasserquelle findet sie der Engel des Herrn und ermutigt sie, wieder zurückzukehren. Hagar kommt ursprünglich aus einer Welt, in der man alles Mögliche dafür tun musste, um der Vielzahl an Göttern zu gefallen. Das einer dieser mächtigen Götter (ihrem Verständnis nach) ihr nachläuft und sie sucht, hätte sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Sie gibt diesem Wesen, dass sich aus irgendeinem Grund um sie sorgt, einen wundervollen Namen: »Der Gott, der mich sieht.« Hagar war verstoßen worden. Doch Jemand hat sie nicht vergessen. Ein Gott, der nicht wie die anderen Götter uninteressiert zusieht. So nennt von da an den Brunnen, an dem sie sich befindet: »Brunnen des Lebendigen, der mich gesehen hat.« 

Einige hundert Jahre später beauftragt »El« einen Mann namens Mose, sein Volk aus der Sklaverei der Ägypter zu führen. Mose ist als Ägypter aufgewachsen. Er kennt die dort herrschenden Gottheiten. Den »El« der Hebräer kennt er wahrscheinlich nur aus 400 Jahre alten Geschichten. Ein Echo der Vergangenheit. Eine Zeitspanne von Martin Luther bis zu uns. Nur das Luther der Buchdruck zur Verfügung stand und Abraham und seinen Nachkommen ... nun ... so gut wie nichts. Es ist ein Wunder, dass uns bis heute so viele Details über die Urväter Israels erhalten geblieben sind.

Um Mose auf die Sprünge zu helfen, muss sich »El«, der sich im brennenden Dornenbusch offenbart, erst einmal vorstellen. »Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.« Doch Mose erkennt diesen Gott dennoch nicht. »... Wer, soll ich sagen, schickt mich?«, fragt er den brennenden Dornbusch.« Da offenbart Gott seinen wundervollen Namen, der insgesamt fast 7000 Mal im Alten Testament verwendet wird. »Jahwe«. Gott gibt Mose als Antwort auf seine Frage selbst eine Deutung seines Namens mit. »Ich bin der, der ich bin.« 

Im Kontext gelesen, darüber sind sich die meisten Theologen einig, bedeutet dieser Name: »Ich bin wirklich der, als den ich mich ausgebe.« Mit anderen Worten ausgedrückt: »Wenn ich dir sage, dass ich euch aus der Sklaverei befreien werde, dass ich mit euch bin, euch versorge, euch rette und in das Land eurer Bestimmung führe → dann glaubt mir! Denn ich bin genau das, was ich sage. Ich bin wirklich der, der ich bin.« Gott ist ein handelnder Gott, der zu seinem Wort steht. Andere Ausleger fassen diesen Namen sehr aussagekräftig und treffend zusammen. Laut ihnen bedeutet Jahwe: »Ich bin für euch.«

Knapp 7000 Mal steht im AT die Bezeichnung »Jahwe«. Knapp 7000 Mal sagt Gott: »Ich bin für dich«. El, dieser Gott, der sich von allen anderen Göttern drastisch unterscheidet, ist für uns, nicht gegen uns. Er rettet, anstatt zu unterdrücken. Sogleicht löst er das Versprechen seines Namens ein. Er rettet die Hebräer aus der Sklaverei, obwohl sie murren und sich immer wieder von ihm abwenden. Dennoch sagt Gott immer wieder: »Ich bin für euch. Ich bin für euch. Ich bin für euch.« 

Im Folgenden erhält Jahwe noch viele weitere Namen. Die Menschen, die diesen Gott erleben, wollen irgendwie dessen Wesen zum Ausdruck bringen. »Wunderbarer Ratgeber« »Gott ist mit uns« »Friedefürst« »Ewiger Vater« ... Jahwe wird im Psalm 23 von David als Schafhirte bezeichnet, während er sich selbst als Schaf sieht. Er war selbst Schafhirte und weiß um die Abhängigkeit der Schafe, um ihr Bedürfnis für Schutz, Nahrung und Fürsorge, die nur ein guter Hirte erbringen konnte. Man bemerkt - direkt einher mit dem Namen Gottes geht der Gedanke: »Wer bin ich für Gott?« Die Antwort hängt direkt mit dem Namen Gottes zusammen: Das auserwählte Volk Jahwes, Söhne, Kinder, Objekte seiner Eifersucht, Schafe, Geliebte. Hervorzuheben ist auch der Name des Volkes Gottes, den Gott einem der Urväter gab. »Israel« das bedeutet: »Gott streitet für uns.«

Doch das Volk Jahwes lässt immer wieder von dem Wesen Gottes ab. Stattdessen lassen sie sich auf die altbekannten Götter der Umgebung ein. Das tun sie, obwohl Jesaja oder einer seiner Schüler eine herausragende Offenbarung hat. Gott spricht zu ihm: »Wendet euch zu mir und lasst euch retten, alle ihr Enden der Erde! Denn ich bin Gott und keiner sonst.« Es gibt keinen Gott außer Jahwe. Auch wird Jesaja erneut die besondere Stellung Gottes, seine Andersartigkeit, Besonderheit und Macht von einem Engel bekundet: »Heilig, heilig, heilig, ist Jahwe Zebaoth.« Eine Aussage die Breite, Höhe und Tiefe durchdringt und die man mit Worten nicht zu erfassen ist. Dennoch setzt Jahwes erwähltes Volk sein Vertrauen immer wieder auf Götter aus Holz und Stein, die sich in ihren Pantheons ständig gegenseitig bekriegen, die nicht reden und die ... so ziemlich tot sind. 

Bald wird das Nordreich Israels von den Assyrern zerstört und die Bewohner in alle Winde zerstreut. Dem Südreich Juda ergeht es 140 Jahre später genauso. Die gebildete Oberschicht wird nach Babylonien verschleppt. Dort passiert etwas sehr Interessantes. Der Prophet Hesekiel bekommt von Gott eine extrem ermutigende Vision. Denn die Babylonier hatten den Tempel, in dem Jahwe laut dem Verständnis der Juden wohnte, zerstört. Sie waren völlig am Boden zerstört. Was war nun mit ihrem Gott, der Jahrhunderte zuvor aus der Sklaverei Ägyptens geführt hatte? Sein Haus war zerstört. Hatte er Israel verlassen? Sie vergessen?

Jeremia hat die Vision eines feurigen Wagens, umgeben von Engeln mit jeweils 4 Gesichtern, die in verschiedene Richtungen blicken. Er wird getragen von Rädern, die ebenfalls in alle Richtungen »gehen« können. Es wird klar → Jahwe ist an keinen Ort gebunden. Und nein, er hat sein Volk nicht vergessen. Er ist ihnen sozusagen nachgereist, wie er schon Hagai in der Wüste gesucht hatte. Er ist der Gott, der das Elend sieht. Er vergisst niemanden und immer liebt er sein Volk, verfolgt seinen Plan, offenbart sich ihnen.

Und tatsächlich, einige Jahrzehnte später erlaubt ihnen Kyros der Perserkönig, der das Babylonische Reich an sich genommen hatte, den Juden in ihr Land zurückzukehren. 

 

In der Folgezeit verändert sich allerdings etwas. Der wundervolle Name Jahwe verschwindet aus den Mündern der Juden. Über diese Zeit berichtet des AT sehr wenig. Aus anderen Quellen erfährt man, dass sich nach und nach das Judentum entwickelt und auf Gesetzestreue immer mehr Wert gelegt wird. Den Namen »Jahwe« sprechen sie nicht immer seltener aus, weil er ihnen zu heilig ist und sie sich vor Missbrauch fürchten. Das geht sogar soweit, dass man im Mittelalter Ausspracheanmerkungen des hebräischen Wortes »JHWH« aus den Texten löscht, sodass man bis heute nicht zu hundert Prozent sicher sein kann, wie Jahwe wirklich ausgesprochen wird.

Die Juden, unter ihnen die Pharisäer und andere Gruppierungen, wollen mit aller Kraft die Gesetze des Mose halten, damit sie vor Gott gerecht werden und er sich wieder zu seinem Volk stellt. Denn mittlerweile ist Juda von den Römern besetzt. 

2000 Jahre Namensentwicklung liegen hinter uns. 2000 Jahre Erkenntnis des Wesens Gottes. Die letzten 200 Jahre hatte man die wundervolle Erkenntnis des Namens »Jahwe« beinahe komplett aus den Mündern der Juden gestrichen. Sie sprechen nun von »Adonai«, was einfach nur »mein Herr« bedeutet. Das ist kein besonders persönlicher Name. Er wirkt eher zweckmäßig. Aus Ehrfurcht sprechen sie sogar oft nur: »haSchem«, das bedeutet: »Der Name.« Sie sprechen »Jahwe« wegen seiner Heiligkeit nicht aus. Doch warum nur hat man den wundervollen, persönlichen, aktiven Namen »Jahwe« gegen einen Platzhalter getauscht? 

Nach dem babylonischen Exil entschieden die Rückkehrer, nun mit aller Kraft die Gesetze des Mose zu halten. Darüber liest man in Esra und Nehemia. Das ist kein schlechtes Anliegen. Nur ist es seit Anbeginn der Menschheit unmöglich. Deswegen kam Gott den Menschen ja stets entgegen. Nicht Abraham kam zu Gott. Gott kam zu ihm. Nicht Mose kam zu Jahwe. Jahwe offenbarte sich ihm.

Gott war schon immer ein Gott der Gnade → selbst im AT. Wie sonst hätte man über Abraham schreiben können: »Abraham aber glaube Gott und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.«. Wie sonst hätte der alles andere als sündlose David als »tadellos« bezeichnet werden können. Der Glaube an Gott macht den Unterschied. Das Vertrauen, die persönliche Beziehung zu ihm. Gott schuf immer Wege, durch die der Mensch, stets im Glauben an ihn, von seiner Schuld befreit werden konnte. (Impuls: Ziel verfehlt - was nun?) Es war immer die Gnade. 

Die Rückkehrer versuchten jedoch scheinbar, Gott möglichst nicht zu erzürnen und so ging ein Großteil der persönlichen Beziehung zu ihm flöten.

Doch Jahwe ist immer treu. Gott steht zu seinem Volk. Jesus, als der Sohn Gottes kommt auf die Erde. In Jesus findet die 2000 Jahre andauernde Suche nach Gottes Wesen einen phänomenalen Ausdruck. Nicht nur zeigt »Christus« (der Gesalbte) selbst, wie Gott ist, wie sein Wesen ist. Er bezeugt allen, die an Gnade Gottes glauben wollen, dass die persönliche Beziehung zu Gott viel wichtiger ist, als aus eigener Kraft Gott zu gefallen. Das Vertrauen auf Gott - der Glauben - ist sogar absolut notwendig, um vor Gott gerecht sein zu können. Nicht nur nahm Jesus alle Schuld der Welt, die einen unreinen Menschen von dem immer reinen Gott trennen könnte, auf sich - damit jeder, der ihm vertraut, gerecht vor Gott steht. Sondern er revolutionierte auch das Verständnis des Wesens Gottes. Dieses Verständnis findet in einem einzelnen Wort Ausdruck. Im hohepriesterlichen Gebet spricht Jesus: »Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.«

Dieser Name ist der Ausdruck seiner Erkenntnis Gottes, seines Vaters. Doch welcher Name könnte das sein? Wir kennen alle dieses Gebet: »Vater unser im Himmel ...« Jesus lehrte es seine Jünger. Er nannte Gott Vater. Auch im AT wird Gott immerhin 3 Mal als Vater bezeichnet. Das fällt nur eingefleischten Theologen auf. Dem normalen Leser würden dieser Name im AT wohl vollkommen entgehen. Vater ist schon ein wundervoller Begriff, Jesus benutzt ihn ständig. Doch ist wirklich dieser Name damit gemeint? 

Nun, es gibt noch einen sehr unterschätzten Begriff, der »Vater« in seiner Intensität überragt. Dieser Name spiegelt das Wesen Gottes so gut wieder, wie kaum ein anderes Wort. Dieser Begriff kommt nur einmal in den Evangelien vor. Nur Paulus verwendet ihn später wieder. Doch die Zeit, in der Jesus ihn benutzt, verstärkt seine Bedeutung erheblich. Im Garten Gethsemane, während seine Jünger vor Verwirrung und Kraftlosigkeit ihre Augen nicht offenhalten können, ruft Jesus zu Gott. »Abba! Vater. Alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir. Doch nicht was ich will, sondern was du willst!« Jesus weiß, dass Folterung und Tot ihm bevorstehen. Dort nennt er Gott nicht nur Vater. Er nennt ihn Abba. Das bedeutet so viel wie: »Papa.« 

Als die Jünger ihren Meister dort weinen und beten hörten und immer wieder das Wort »Papa« vernahmen, muss es sie sehr irritiert haben. Niemals zuvor ist Jemand auf die Idee gekommen, Gott »Papa« zu nennen. Wie kann man das tun? So heilig wie er ist! Doch Jesus tut es. Denn er weiß um das Wesen Gottes. Er weiß, wer Gott wirklich für uns ist. 

Wie ein Kind hockt Jesus bei seinem Vater. Mit Sicherheit hat er lange zuvor schon gewusst, dass Gott nicht nur Vater, sondern Papa ist. Hier nun, in der herausfordernsten Situation seines Lebens, benutzt er das Wort, das ein kleiner Junge an seinen Vater richtet. Es ist oft das erste Wort, das ein Kind erlernt. Jesus weiß, dass er vollkommen abhängig von seinem Papa ist, dass er schamlos und echt vor ihm sein kann, dass nur der Papa den richtigen Weg kennt. Bei Schmerzen tröstet der Papa, er bringt zum Lachen und fängt jede Träne auf. Bei Hunger versorgt er, bei Krankheit, kümmert er sich. Er kennt den Weg besser, als jeder andere. Bei Problemen, kennt nur er die Lösung. 

Abba. Papa. Mehr brauchen wir nicht, um Gott zu Begegnen. Nur zwei Silben, zwei Buchstaben. Jedes Kind kann das verstehen. Mein Papa im Himmel ist allmächtig und gut. In der Not läuft er mir hinterher. Er sieht mich wirklich! Mein Papa ist für mich, er streitet für mich, er heilt mich und er rettet mich. Er liebt mich über alles. Denn Papa ist Liebe. 

Ergreife, dass Gott dein liebender Papa ist. Sag »Ja« zu ihm. Er liebt dich über alles und gibt alles für dich. 

 

 

»Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!« Römer 8,15




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